Wissen am Haken - Auf den Spuren des Wolgazanders (Sander volgensis)
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Matthias Emmrich
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Anglerverband Niedersachsen e.V.
Häufige Fragen
Worum geht es in diesem Projekt?
Aquatische Neozoen werden häufig über schiffbare Wasserstraßen verbreitet, die jährlich von zehntausenden Angler*innen befischt werden. Nicht selten werden Neuankömmlinge in unseren Gewässern als erstes von Angler*innen entdeckt. So auch der Wolgazander, der 2010 das erste Mal in Niedersachsen bei Braunschweig gefangen wurde. Das war der Erstnachweis der Art für Deutschland. Vermutlich wurde die Art unbeabsichtigt in den Kanal besetzt. Ursprünglich besiedelt der Wolgazander die Gewässer des nördlichen Einzugsgebietes des Schwarzen Meeres, die Donau sowie die Kuban-, Wolga- und Uraleinzugsgebiete. Über seine Aus- und Verbreitung sowie mögliche negative Einflüsse auf heimische Arten und Ökosysteme war bisher nichts bekannt. Da der Wolgazander im Rahmen wissenschaftlicher Fischbestandserhebungen äußerst selten bis gar nicht nachgewiesen wird, liefern die Fänge von Angler*innen wichtige Daten um die Aus- und Verbreitung sowie die Ökologie des gebietsfremden Fisches untersuchen zu können.
Wie können Bürger*innen mitforschen?
Angler*innen können ihre gefangenen Wolgazander über die vom Anglerverband Niedersachsen (AVN) bereitgestellte kostenlose App „Alienspotter“ oder über Social-Media (Instagram, Facebook) und E-Mail (m.emmrich@av-nds.de) melden. Voraussetzung ist ein Fangfoto, damit die Art durch Wissenschaftler*innen zweifelsfrei identifiziert werden kann, sowie der Standort des Fanges. Sämtliche Informationen können über die App sowie über die anderen Informationskanäle übermittelt werden. App-Nutzer*innen können zudem entscheiden, ob ihr Fangfoto veröffentlicht werden darf. Besonders große Wolgazander > 50 cm können auch an den AVN zu Forschungszwecken geschickt werden. Die Kosten für den Versand der tiefgefrorenen Fische werden vom AVN übernommen. An den bereits eingeschickten Fischen (über 300) werden Alters- und Wachstumsanalysen sowie Untersuchungen zur Nahrungsgewohnheiten der Fische vorgenommen.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Verifizierte Fangmeldungen von Wolgazandern werden in einer Datenbank archiviert und über die Projektseite des Anglerverbandes Niedersachsen in einer interaktiven Karte online gestellt: https://www.av-nds.de/fische-und-gewaesser/avn-projekte/wolgazander/ Hier können die Orte, das Fangjahr und die Größen der gefangenen Wolgazander öffentlich eingesehen werden. Allen Projektteilnehmenden werden zudem neue Erkenntnisse zum Wolgazander (z.B. wissenschaftliche Veröffentlichungen) per E-Mail mitgeteilt. Die Fangdaten werden darüber hinaus Behörden und Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt.
Wozu trägt die Forschung bei?
Die Fangdaten der Angler*innen tragen dazu bei, die Ausbreitung des Wolgazanders nachvollziehen zu können. Anhand der eingeschickten Wolgazander können durch Wachstums- und Nahrungsanalysen mögliche Einflüsse auf andere Fischarten und Gewässerökosysteme bewerten werden. Zeitgleich soll das Projekt Angelvereine über die Risiken und Gefahren eines nicht fachgerechten Fischbesatzes aufklären, um die vom Menschen verursachte Ausbreitung und Verschleppung nicht heimischer Fischarten zu unterbinden.
Was sind die (Zwischen-)Ergebnisse des Projekts?
Im Rahmen des Projektes wurden bisher (Stand 12/2024) 1.189 verifizierte Nachweise von Wolgazandern aus elf, ausschließlich schiffbaren Gewässern in sechs Bundesländern gesammelt. Über 98 % der Daten wurden von Angler*innen übermittelt. Somit sind Angler*innen die wichtigste Personengruppe um Daten zur Verbreitung des Wolgazanders zu sammeln. Das Ausbreitungspotenzial des Wolgazanders ist hoch und eine Besiedlung weiterer Gewässersysteme in Deutschland und darüber hinaus in den nächsten Jahren wahrscheinlich. Anhand einer wissenschaftlichen Literaturauswertung wird gegenwärtig davon ausgegangen, dass der Wolgazander keine heimischen Arten verdrängen oder Ökosysteme signifikant negativ beeinflussen wird. Eine Hybridisierung mit dem heimischen Zander (Sander lucioperca) erscheint möglich, wurde aber außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes noch nicht nachgewiesen. Sämtliche Informationen zum Wolgazander sind in folgender wissenschaftlicher Publikation nachzulesen: Emmrich, M., Maday, A., Langner, J., & Klefoth, T. (2026). Der Wolgazander (Sander volgensis, GMELIN1789) - Eine Literaturübersicht und aktuelle Erkenntnisse zur Verbreitung in Deutschland. Zeitschrift für Fischerei 6, 1–21. DOI: 10.35006/fischzeit.2026.41 Anhand der eingeschickten Wolgazander werden weitere Untersuchungen zum Wachstum und zur Nahrungswahl des Wolgazanders erfolgen.