Partizipation stärken: Über den eigenen Tellerrand hinaus mit Ulrike Sylla
Ulrike Sylla ist als fachliche Leitung für Wissenstransfer am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung tätig und hat im Herbst 2025 an der ersten Ausgabe unserer Fortbildungsreihe partX teilgenommen. Wir haben sie gefragt, was sie dazu angeregt hat, welche Idee zur Stärkung partizipativer Forschung sie im Rahmen der Reihe entwickelt und umgesetzt hat und welchen Rat sie Kolleg*innen geben würde.
Liebe Ulrike, was gehört als fachliche Leitung für Wissenstransfer zu deinen Aufgaben?
Ulrike: Ich bin für die strategische Ausrichtung des Wissenstransfers verantwortlich. Diese basiert auf einem jährlich aktualisierten Wissenstransferkonzept, das mit unserer wissenschaftlichen Vorständin abgestimmt ist. Zu meinen Aufgaben gehört außerdem die Vernetzung unseres Bereichs innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft und in der Wissenstransfer-Community. So bin ich stellvertretende Leiterin des Arbeitskreises Wissenstransfer bei Helmholtz. Ich kümmere mich um die Berichtspflichten und verantworte die Messung beziehungsweise die Indikatorik unserer Wissenstransfer-Aktivitäten. Über Marketing und Social Media stärke ich die Sichtbarkeit unserer Arbeit. Mit der Durchführung eigener Transfer-Workshops möchte ich unsere Wissenschaftler*innen noch besser für Wissenstransfer befähigen. Und nicht zuletzt konzipiere und koordiniere ich natürlich auch eigene Wissenstransferprojekte.
Mit unserer Fortbildungsreihe partX wollen wir Multiplikator*innen für partizipative Forschung in ihrer Rolle als Unterstützer*innen und Botschafter*innen stärken. Was hat dich motiviert, dich in diesem Bereich weiterzubilden?
Ulrike: Mich hat das Bedürfnis angetrieben, mich thematisch im Bereich der partizipativen Forschung sprechfähiger und sicherer zu fühlen. Über den eigenen Tellerrand zu schauen, wie andere sich diesem Thema nähern, ist immer von Mehrwert für die eigene Arbeit. Und so viel sei verraten: Ich bin sehr froh, teilgenommen zu haben!
Was nimmst du aus partX für deinen beruflichen Alltag mit?
Ulrike: Viele neue Erkenntnisse. Ein tolles Netzwerk, bestehend aus fantastischen und hochmotivierten Gleichgesinnten aus verschiedensten Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Und tolle Ideen, die im Rahmen der Fortbildungsreihe entstanden sind und nun umgesetzt werden.
Du hast es gerade schon angedeutet, im Rahmen von partX haben die Teilnehmenden Ideen entwickelt, um partizipative Forschung an ihren Institutionen weiter zu fördern und zu verankern. Was hast du dir für das GFZ überlegt?
Ulrike: Ich möchte die inter- und transdisziplinäre Forschung am GFZ stärken. Dazu habe ich einen eintägigen Workshop entwickelt und im März durchgeführt, der Wissenschaftler*innen aus den Geowissenschaften und den Sozialwissenschaften des zum GFZ gehörenden Research Institute for Sustainability, kurz RIFS, zusammenbrachte. Gemeinsam haben wir über den Mehrwert von partizipativen Forschungsformaten diskutiert und erste Projektideen entwickelt.
Wie wurde der Workshop von deinen Kolleg*innen am GFZ und RIFS angenommen?
Ulrike: Erfreulicherweise waren wir mit knapp 30 Teilnehmenden ausgebucht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir im Vorfeld mächtig die Werbetrommeln rühren mussten, um unsere Forschenden auf dieses Vernetzungsangebot aufmerksam zu machen und zur Anmeldung zu bewegen, sowohl bei den Geo- als auch bei den Sozialwissenschaftler*innen. Ich bin sehr stolz darauf, dass das Konzept aufgegangen ist und unser Workshop überwiegend gut bis sehr gut evaluiert wurde.
Gibt es bereits Pläne, wie ihr die Impulse aus dem Workshop weitertragen wollt?
Ulrike: Von den Teilnehmenden gab es den großen Wunsch, dieses Format zu wiederholen, um so noch stärker in die Breite zu kommen. Ich erhoffe mir über einen Schneeballeffekt, dass sich der Mehrwert einer interdisziplinären und partizipativen Bearbeitung von Forschungsfragen herumspricht. Last but not least stehen wir im Team Wissenstransfer für die kollegiale Beratung zu partizipativen Formaten unserer Wissenschaftler*innen jederzeit bereit, geboostert mit viel neuem Wissen aus partX!
Du engagierst dich im Vorstand des Vereins FORTRAMA Forschungs- und Transfermanagement e.V. und bist dort auch Teil des Kommunikationsteams. Was macht den Verein aus und welche Angebote gibt es?
Ulrike: Das Netzwerk Forschungs- und Transfermanagement e.V., kurz FORTRAMA, ist die Vereinigung deutschsprachiger Forschungs- und Transfermanager*innen. Das Netzwerk umfasst vorrangig Personen, die ihren beruflichen Schwerpunkt in den Bereichen Forschungsmanagement, Wissens- und Technologietransfer, Nachwuchsförderung und Drittmittelbewirtschaftung haben und an deutschen Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen tätig sind. Unsere knapp 800 Mitglieder engagieren sich in mittlerweile acht Arbeitsgruppen. Gemäß unserem Leitspruch „Von Mitgliedern für Mitglieder“ lebt der Verein von der kollegialen Vernetzung und Befähigung. Einmal pro Jahr führen wir eine große Jahrestagung durch mit zahlreichen Workshops und Weiterbildungen, einer Keynote und einer Podiumsdiskussion als zentrale Highlights. Die diesjährige Jahrestagung fand übrigens im März an der Uni Kassel zum Fokusthema „Transfer“ mit über 500 Teilnehmenden statt.
Welche Anknüpfungspunkte siehst du zwischen FORTRAMA und partizipativer Forschung?
Ulrike: FORTRAMA ist thematisch sehr breit aufgestellt. Alles, was Ermöglichung und Stärkung von exzellenter Forschung und erfolgreichen Transfer unterstützt, wird bei uns kollegial ausgetauscht und bearbeitet. Und dazu gehört natürlich auch der große Mehrwert von partizipativen Formaten, die gesellschaftliche Stakeholder auf verschiedenen Ebenen einbindet. Anlaufstellen wären hier die AGs „Transfer“ und „Inter- und Transdisziplinäres Arbeiten“. Schaut doch mal rein unter www.fortrama.net.
Inwiefern kann vielleicht auch ein Netzwerk wie FORTRAMA dazu beitragen, partizipative Ansätze stärker in Institutionen zu verankern?
Ulrike: Indem es als eine Plattform zur Vernetzung fungiert und den kollegialen Austausch zu Best Practices ermöglicht und fördert. Indem Weiterbildungen, eigene und die von Partnerorganisationen wie mit:forschen!, angeboten und beworben werden. Und nicht zuletzt indem FORTRAMA Themen setzen und bespielen kann, durch das Engagement seiner Einzel- und Fördermitglieder.
Was würdest du Kolleg*innen raten, die sich an ihrer Institution für partizipative Forschung einsetzen möchten?
Ulrike: Bildet euch weiter, macht euch sattelfest und vernetzt euch. Staunt dabei, was alles möglich ist, habt einen langen Atem und gebt nicht auf, euer Umfeld vom Sinn und Mehrwert von partizipativer Forschung zu überzeugen!