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Wissen der Vielen – Forschungspreis für Citizen Science: Preisträger*innen 2026

Foto: hxdbzxy / Getty Images

Der Wissen der Vielen – Forschungspreis für Citizen Science würdigt Wissenschaftler*innen für herausragende Leistungen. Prämiert werden Publikationen, deren Methodik den Mehrwert partizipativer Ansätze für die Forschung auf besondere Weise verdeutlicht. Die Preisträger*innen werden stellvertretend für das gemeinschaftliche wissenschaftliche Werk geehrt und erhalten Preisgelder von 20.000 Euro für Platz 1, 10. 000 Euro für Platz 2 und 5.000 Euro für Platz 3. Die Preisverleihung findet am 18. November im Rahmen der Konferenz Partizipation in der Wissenschaft (PartWiss26) in Berlin statt. 

In diesem Jahr werden drei Publikationen ausgezeichnet, die sich mit drängenden Themen der Gegenwart befassen: Plastikverschmutzung, gesundheitliche Daseinsvorsorge und Bodenqualität. Die Preisträger*innen zeigen eindrucksvoll, wie sich durch verschiedene Formen der aktiven Einbindung von Bürger*innen exzellente Forschungsergebnisse generieren lassen – von der Datenerhebung bis hin zur Mitautor*innenschaft.


Portrait von Dr. Sinja Dittmann, Platz 1 für die Publikation „Zeitliche Veränderungen der Müllbelastung von Flüssen in Deutschland – Eine Langzeitstudie mit Schülerinnen und Schülern als Citizen Scientists“

1. Platz: Dr. Sinja Dittmann, Didaktik der Chemie, IPN - Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik

Den Preis für den ersten Platz gewinnt die Geografin Dr. Sinja Dittmann stellvertretend für das Autor*innen-Team der Publikation „Temporal variability of litter pollution of rivers in Germany – A long-term assessment by schoolchildren as citizen scientists”. Diese erschien 2024 im Marine Pollution Bulletin. Die prämierte Forschungsarbeit zeigt in besonderem Maße den Mehrwert von Citizen Science auf, da der Ansatz die Generierung großer Datenmengen über einen langen Zeitraum ermöglichte.

Das Werk beruht auf Untersuchungen, die rund 23.000 Teilnehmende aus Schulklassen und Jugendgruppen innerhalb von 7 Jahren (2016-2022) im Projekt „Plastic Pirates” durchgeführt haben. Systematisch analysiert wurden deutsche Flussufer auf die Zusammensetzung, die Dynamik und Menge des Mülls (Teile > 2,5 cm). Zentrale Ergebnisse sind, dass Kunststoff und Zigarettenstummel am häufigsten gefunden wurden und die Menge und Zusammensetzung des Mülls über die Jahre hinweg konstant blieb. Die Citizen Scientists identifizierten Flussbesucher*innen als Hauptquelle des Mülls. Die Studie bietet nicht nur wertvolle Daten, die dabei helfen können, der weiteren Gefährdung unserer Bäche, Flüsse und in der Folge Meere entgegenzutreten, sondern das Projekt trägt auch zur Sensibilisierung von jungen Menschen zum Thema Plastikverschmutzung bei.


Portrait von Anna Köster-Eiserfunke, Platz 2 für die Publikation „Veddel, wie geht´s?“ – eine Bedarfserhebung für die Primärversorgung

2. Platz: Dipl.-Pol. Anna Köster-Eiserfunke, Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)

Den zweiten Platz belegt die Politikwissenschaftlerin Anna Köster-Eiserfunke stellvertretend für das Team der Publikation „’Veddel, wie geht´s?’ – eine Bedarfserhebung für die Primärversorgung”. Die Arbeit erschien 2025 in der Zeitschrift Public Health Forum und überzeugt mit einem partizipativen Ansatz, der in vorbildlicher Weise zeigt, welche Vorteile die Mobilisierung von lokalen Akteur*innen mit relevantem Erfahrungswissen für den Erkenntnisgewinn hat.

Bei der Bedarfsplanung für die Gesundheitsversorgung werden sozialräumliche Spezifika teilweise nicht berücksichtigt. Im Falle des Hamburger Stadtteils Veddel haben sich Forschende der HAW und der Poliklinik Veddel, einem lokalen Gesundheitszentrum, diesem Problem angenommen. Im Hamburger Vergleich ist der Stadtteil ärmer, jünger und stärker von Migration geprägt. Für den „Community Health Survey” wurde eine fragebogen-gestützte, quantitative Querschnittserhebung mit einem partizipativen Forschungsdesign verbunden: Stadtteil-Forscher*innen ergänzten das Team, wurden methodisch ausgebildet und entwickelten relevante Fragen mit. Mehrsprachige Peer-Interviewer*innen führten die Erhebung durch. Die Ergebnisse aus 561 Haushalten (23,5% der Wohnbevölkerung des Stadtteils) zeigen hohe Armutsrisiken, gesundheitliche Belastungen und Barrieren im Zugang zur Versorgung.  


Portrait von Prof. Dr. Christoph Koch, Platz 3 für die Publikation „Untersuchung von anorganischen Nährstoffen und Schadstoffen in Privatgärten in Mitteldeutschland mittels Citizen Science“

3. Platz: Prof. Dr. Christoph Koch, Professur für Technische Chemie und Umweltchemie, Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Den dritten Platz erzielte der Umweltchemiker Prof. Dr. Christoph Koch stellvertretend für das Autor*innen-Team für das Werk „Investigation of inorganic nutrients and pollutants in private gardens in central Germany using citizen science”. Es erschien 2025 in der Zeitschrift Environmental Challenges und zeigt auf, wie Partizipation im Bereich der Umweltchemie und Bodenkunde gelingen kann.

Private Gärten sind für die Wissenschaft schwer zugänglich. Gleichzeitig bauen viele Gartenbesitzer*innen Obst und Gemüse an und würden gerne mehr über die Beschaffenheit ihres Bodens erfahren. Die prämierte Forschungsarbeit zeigt die Ergebnisse aus dem Projekt „Expedition Boden”, in dem die Bodenqualität von Thüringer Gärten untersucht wurde. 241 Citizen Scientists lieferten Bodenproben, nahmen teilweise selbst Messungen vor und bekamen anschließend Analyseergebnisse zu Nährstoff- und Schadstoffkonzentrationen zugesendet. Durch die Proben konnten Rückschlüsse auf die Düngung der Gärten vorgenommen werden. Außerdem wurden teilweise erhöhte Konzentrationen an Schwermetallen erkannt, die manchmal auch sogenannte Vorsorgegrenzwerte überschritten. Das Wissen über die Qualität des Bodens bietet die Möglichkeit, ihn zu schützen und somit Umweltbelastungen zu reduzieren und Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.

Leonie Malchow

Leonie ist über die Welt der Engagement- und Demokratieförderung bei der Citizen Science gelandet. Im Team ist sie für Projektmanagement und Kommunikation zuständig.