Griaßdi!
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Anja Hasse
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Universität Zürich, Deutsches Seminar
Häufige Fragen
Worum geht es in diesem Projekt?
Dieses Projekt untersucht die Stabilität und Verbreitung sprachlicher Strukturen der bairischen Dialekte (Bayern, Österreich, Südtirol und Samnaun). Bisherige dialektologische Forschung hat nur nationale Ausschnitte dieses Dialektraums erfasst, so dass für viele dialektale Strukturen unser Wissensstand zur geografischen Verbreitung und soziodemografischen Konditioniertheit lückenhaft ist. Traditionelle Ansätze mit Befragungen von Gewährspersonen vor Ort sind in einem so großen Gebiet kaum finanzierbar. Mithilfe von Citizen Scientists und einer App können wir diesen Raum nun mit überschaubarem Aufwand in seiner Gesamtheit dialektologisch beschreiben und so eruieren, wie stabil unterschiedliche Strukturen sind. Dies erlaubt Rückschlüsse über den Einfluss der Standardsprache auf verschiedene sprachliche Subsysteme (z.B. Satzbau vs. Wortschatz) in einem Dialektraum, wo das Verhältnis zwischen Dialekt und Standardsprache je nach Region (N-S, W-O, Stadt vs. Land) stark variiert.
Wie können Bürger*innen mitforschen?
Der Hauptbeitrag der Teilnehmenden besteht in der Datenerhebung mit der App "Griaßdi!", die in den App-Stores gratis zum Download zur Verfügung steht. Mitmachen können Dialektinteressierte ab 10 Jahren mit einem Smartphone. Wer selbst Bairisch spricht, löst in der App verschiedene Aufgaben, bei denen die sprachwissenschaftlichen Erhebungsmethoden der mündlichen und schriftlichen Übersetzung und der Variantenauswahl Anwendung finden. Um auch spontansprachliche Daten beizusteuern, laden die Teilnehmenden zudem zu vorgegebenen Themen Sprachproben hoch. Weiter können sie in ihrem Umfeld Dialektsprachigen dieselben Aufgaben und Fragen stellen und somit deren Daten der Forschung zugänglich machen. In der App können sich die Citizen Scientists eigenständig einen Überblick über die Variation verschaffen, weil nach Beantwortung von Fragen Karten erstellt werden, die die verschiedenen Varianten im Raum zeigen. Bei Unklarheiten kann das Projektteam per Mail oder Social Media kontaktiert werden.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Die unmittelbar einsehbaren, automatisch generierten Karten (s. oben) ermöglichen den Teilnehmenden den Vergleich ihres eigenen Sprachgebrauchs mit dem anderer Dialektsprachiger sowie einen Einblick in den Stand der Erhebungen. Mit den an einen Server übermittelten Sprachdaten der Citizen Scientists werden wir ausgewählte sprachliche Phänomene mit GIS kartieren und zusammen mit einem sprachwissenschaftlichen, allgemeinverständlichen Kommentar als Beiträge Lokal- und Regionalmedien und Social-Media-Kanälen anbieten. Vergleichbare Beiträge veröffentlichen wir auch auf unseren eigenen Social-Media-Kanälen auf Facebook und Instagram. Für 2027/28 ist außerdem eine populärwissenschaftliche Abschlusspublikation geplant, in der wir die wichtigsten Resultate mit allgemeinverständlichen Kommentaren in einem Open-Access-Buch vorstellen. Zuletzt werten wir die Daten für linguistische Fachpublikationen aus. Über diese Publikationen informieren wir auf Social Media und unserer Projektwebsite.
Wozu trägt die Forschung bei?
Das Projekt hat drei Ziele: Erstens soll die Variation ausgewählter Phänomene der bairischen Dialekte erstmals in allen Gebieten des Dialektraumes erhoben werden, was Rückschlüsse über die Rolle der Geografie, der soziodemografischen Hintergründe und der je nach Staat/Region anders gelagerten Dialekt-Standard-Konstellation für die Stabilität sprachlicher Strukturen erlaubt. Dies ermöglicht eine differenzierte und sprachwissenschaftlich-empirisch fundierte Sicht auf sprachliche Variation und Wandel in einem Raum, wo landläufig die Auffassung herrscht, der Sprachwandel verlaufe nur in eine Richtung (nämlich zur Anpassung an das Standarddeutsche). Zweitens bilden die spontansprachlichen Aufnahmen die Grundlage für Large Language Models für das Bairische, eine Sprachform mit bisher geringen Ressourcenmengen. Drittens helfen die Teilnehmenden dabei mit, Dialekte, ein immaterielles Erbe unserer Region, besser zu dokumentieren.