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Findet die Schlüsselblume

Echte Schlüsselblume (Primula veris). (c) Tsipe Aavik
Im Frühling gehe raus in die Natur, finde die Echte Schlüsselblume (Primula veris) und notiere bestimmte Blütenmerkmale. Dadurch erhalten wir wichtige Informationen zum Zustand dieses geschützten Frühblühers und den Einfluss der Landschaft darauf. Wir freuen uns auf deine Unterstützung!

Ort

Projektzeitraum ab

April 2021

Weitere Informationen

Details zum Beobachten der Echten Schlüsselblume gibt es hier.

Zur Projektseite

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Kontakt

Sabrina Träger

E-Mail senden

Institution

Universität Tartu, Estland

Estonian Fund for Nature

Exzellenzzentrum für Wissenschaft, EcolChange, Estland

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Hummel an Schlüsselblumenblüte. (c) Kaarel Kaisel
S-Blütentyp durch eine Lupe. (c) Estnischer Teilnehmer des Projektes
S-Blütentyp der Echten Schlüsselblume. (c) Iris Reinula
L-Blütentyp der Echten Schlüsselblume. (c) Iris Reinula
Die Blütentypen der Echten Schlüsselblume. (c) Looking for Cowslips
Die Echte Schlüsselblume, Primula veris. (c) Sabrina Träger
Die Echte Schlüsselblume mit Besucher. (c) Kaarel Kaisel
Deutsches Logo unseres Bürgerwissenschaftenprojektes. (c) Looking for Cowslips

Häufige Fragen

Worum geht es in diesem Projekt?

Die Aufgabe ist simpel: Man geht raus in die Natur, findet die Echte Schlüsselblume, schaut in die Blüten und bestimmt den einfach zu erkennenden Blütentyp (S- oder L-Typ). Das Ziel des Projektes ist, die Auswirkungen von Landschaftsveränderungen auf das Verhältnis von Pflanzen der Echten Schlüsselblume mit bestimmten Blütentypen zu analysieren. Genetisch bedingt hat etwa die Hälfte der Pflanzen der Art Blüten mit einem kurzen weiblichen Blütenorgan (S-Typen), während die andere Hälfte Blüten mit einem langen weiblichen Blütenorgan hat (L-Typen). Dieses Vorkommen von verschiedenen Blütentypen innerhalb einer Art wird als “Heterostylie” bezeichnet. Die Art kann sich nur erfolgreich fortpflanzen, wenn Pollen zwischen S- und L-Typen ausgetauscht wird. Landschaftsveränderungen gefährden das Gleichgewicht der Blütentypen und können Hinweise über den Fortbestand eines Bestandes geben.

Wie können Bürger*innen mitforschen?

Sobald die Echte Schlüsselblume anfängt zu blühen (März - Mai), können die Teilnehmenden raus in die Natur und nach natürlichen Beständen der Art schauen (also bitte nicht z.B. im Garten). Die Datenaufnahme sollte nicht länger als 30 Minuten dauern. Sofern möglich sollten 100 Pflanzen der Echten Schlüsselblume pro Bestand angesehen und deren einfach zu identifizierender Blütentyp (S- oder L-Typ) bestimmt werden. Diese Daten können über unsere Internetseite, zusammen mit GPS Daten, einer groben Einschätzung der Bestandsgröße und ein paar Fotos des Standortes, abgegeben werden. Gerne können die Aufnahmen auch an uns direkt per E-Mail geschickt werden. An unserem Projekt kann jeder teilnehmen und beitragen, der die Natur liebt und gerne raus geht. Es werden keine Vorkenntnisse benötigt, man sollte nur die Echte Schlüsselblume (oder Wiesen-Schlüsselblume, Primula veris) in der Natur erkennen können. Mit dem erstellten Online-Fromular oder dem Aufnahmebogen zum Ausdrucken ist die Teilnahme sehr einfach. Wir laden auch besonders Familien, Kindergärten und Schulen zum Mitmachen ein. Die Mithilfe von interessierten Naturliebhaber*innen ist besonders wichtig, da es für allgemeingültige Aussagen notwendig ist die Datenaufnahme auf einer großen räumlichen Skala durchzuführen (national bis EU-international). Dies können wir als kleine Gruppe an Wissenschaftler*innen nicht leisten. Zudem gewährleistet die Teilnahme von Bürger*innen eine unabhängigere Auswahl an Standorten.

Was passiert mit den Ergebnissen?

Sobald die Beobachtungen von den Teilnehmenden über das Online-Formular oder unsere E-Mail Adresse eingereicht wurden, sichten wir die Daten auf Vollständigkeit und anhand der mitgeschickten Bilder, ob es sich bei den Beobachtungen wirklich um die Echte Schlüsselblume handelt. Besonders wichtig sind für uns auch die GPS Daten, um die Bestände der Art eindeutig lokalisieren zu können und so später Landschaftsuntersuchungen mit einzubeziehen. Nach dem Ende der Blütezeit der Art und dementsprechend dem Ende der Datenaufnahme, analysieren wir die Daten auf verschiedenste Zusammenhänge. Zum Beispiel, gibt es ein Ungleichgewicht in den Blütentypen (S und L) in den Beständen und gibt es einen Trend welcher Blütentyp überwiegt? Hängen diese Ergebnisse davon ab, wo der Bestand vorkommt (dem Land, der umgebenden Landschaft, Siedlungsnähe etc)? Wenn erste Ergebnisse vorliegen, werden die Teilnehmenden über die angegebenen E-Mail Adressen direkt informiert. Zudem werden regelmäßig Updates auf unseren sozialen Medienkanälen veröffentlicht. Die gesammelten Beobachtungspunkte können wir leider nicht frei zugänglich bereitstellen, da wir sensitive Daten der Teilnehmer*innen abfragen (optional E-Mail Adresse und Name), aber auch weil die Echte Schlüsselblume in vielen Teilen Europas, so auch in Deutschland, unter Schutz steht und wir vermeiden möchten, dass mehr als einzelne Beobachter*innen die Bestände aufsuchen.

Wozu trägt die Forschung bei?

Die allumfassende Thematik des Projektes betrifft die Biodiversitätsforschung: die Vielfalt innerhalb einer Art, aber auch die der Landschaft. Das Hauptziel des Projektes ist es herauszufinden, welchen Einfluss Landschaftsverlust und -veränderung von Grasländern auf Bestände der Echten Schlüsselblume (Primula veris) in ganz Europa haben und ob es potentielle lokale Unterschiede gibt. Die Echte Schlüsselblume wird dabei als Modelorganismus für Graslandpflanzenarten benutzt, da sie eine typische Gras- und Offenlandart ist. Außerdem wird die Thematik der Bestäubung und bestäubenden Insekten indirekt mit untersucht, da die Echte Schlüsselblume bestäubende Insekten zur Fortpflanzung benötigt und Landschaftsveränderungen ebenso auf das Vorkommen und die Diversität von Bestäuben wirkt. Gemessen wird der potentielle Effekt an dem Verhältnis der Blütenmorphtypen, die bei Primula veris als heterostyle Art vorkommen (S- und L-Typen). Die Art kann sich nur erfolgreich fortpflanzen, wenn Pollen zwischen S- und L-Blütentypen ausgetauscht wird. Unter normalen, ungestörten Bedingungen sollten die zwei Blütentypen im Gleichgewicht (1:1) in Beständen der Art vorkommen. Neue (lokale) Studien zeigen jedoch, dass dieses Gleichgewicht durch Habitatverlust und -veränderung gestört wird, wodurch es Pflanzen der Art schwieriger gemacht wird geeignete Fortpflanzungspartner zu finden, und dadurch auf lange Sicht der Fortbestand eines Bestandes gefährdet ist. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit aktiv Teil eines wissenschaftlichen Projektes mit hoher Naturschutzrelevanz zu sein. Das Projekt hat einen hohen wissenschaftspädagogischen Wert, besonders für jüngere Teilnehmer*innen (z.B. Kindergärten, Schulen). Zudem werden die Teilnehmenden angeregt in die Natur zu gehen und diese mit offeneren Augen zu genießen. Wir Wissenschaftler*innen bekommen die Möglichkeit eines breiten Datensatzes über ein wichtiges, naturschutzrelevantes Thema. Zudem ist angestrebt die Akzeptanz für die Arbeit von uns Wissenschaftler*innen zu festigen und zu steigern.

Was sind die (Zwischen-)Ergebnisse des Projekts?

Das Projekt wurde 2019 als “Eesti otsib nurmenukke” (“Estland sucht nach Schlüsselblumen”) in Estland initiiert und fand 2021 das erste mal international als “Looking for Cowslips” in allen europäischen Ländern statt, in denen die Echte Schlüsselblume vorkommt. In 2019 wurden in Estland ca. 1700 Beobachtungen durch Teilnehmer*innen durchgeführt, die zusammen ca. 220.000 Individuen der Echten Schlüsselblume anschauten! In 2021 wurden in ganz Europa ca. 3500 Beobachtungen mit ca. 350.000 Individuen aufgenommen, aus 30 Ländern! Mit den Daten aus 2019 in Estland konnten wir zeigen, dass interessanterweise die S-Blütentypen über L-Typen dominieren und es eine starke Tendenz gibt, dass Bestände der Echten Schlüsselblume ein Ungleichgewicht an Blütentypen aufweisen. Dieses Ungleichgewicht konnten wir zum einen mit der Bestandsgröße in Verbindung bringen: Je kleiner die Bestände der Echten Schlüsselblume an einem Standort, umso eher weisen sie ein Ungleichgewicht an Blütentypen auf. Außerdem fanden wir einen Zusammenhang des Blütentyp(un)gleichgewichtes mit Siedlungsnähe (Städte oder Dörfer), das heißt, Bestände der Art weisen besonders dann ein Ungleichgewicht der Blütentypen auf, je näher sie an Siedlungen vorkommen. Die Ergebnisse dieser ersten Analyse aus Estland sind in einer internationalen, wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht und für jedermann zugänglich: https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2745.13488 Für die internationalen Daten aus 2021 laufen die Analysen noch, aber es zeichnen sich sehr ähnliche Trends wie aus den Vorjahren ab.