SchwarmMessRad - Gut durch die Hitze!
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Dr.-Ing. Nils Lichtenberg
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Institut für Straßenwesen Aachen ISAC
Häufige Fragen
Worum geht es in diesem Projekt?
Im Projekt SchwarmMessRad statten wir Lastenräder mit kleinen Messboxen aus, welche Temperatur, Feinstaub und Ozon messen. So entstehen Umweltdaten genau dort, wo Menschen im Alltag unterwegs sind – in vielen Straßen, Vierteln und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Diese mobilen Messungen vergleichen wir mit festen Messstationen, Satellitendaten und weiteren Datenquellen. Mit Methoden der Künstlichen Intelligenz wollen wir daraus Vorhersagen für Hitzeinseln und Luftschadstoffbelastungen in der Stadt entwickeln, um gesündere Routen-Empfehlungen zu geben. Ein Konsortium aus Forschungseinrichtungen, der Stadt Aachen und weiteren Praxispartnern geht dabei der Frage nach: "Wie können Städte sich besser auf Hitzewellen einstellen und ihre Bewohner*innen schützen, wenn sie ein viel genaueres Bild von Temperatur und Luftqualität im Stadtgebiet haben?" Bürger*innen sind von Anfang an eingebunden, weil sie mit ihren Fahrten das Messnetz erst möglich machen und aufzeigen, wo sie besonders von Hitze betroffen sind.
Wie können Bürger*innen mitforschen?
Das Projekt stellt die Stadt Aachen unsere Lastenräder kostenlos für alle Bürger*innen zur Verfügung. Über das kostenlose Lastenrad-Sharing der Stadt Aachen „Lara“ (www.aachen.de/lara) können die Lastenräder für mehrere Stunden, an mittlerweile 12 Standorten ausliehen werden; die genauen Bedingungen stehen auf der Webseite. Während dieser Zeit sind die Räder mit Messboxen ausgestattet, die bei jeder Fahrt die Asphalt-Temperatur und Luftqualität erfassen. Sie speichern die Messwerte zusammen mit der aktuellen Position und übertragen die Daten regelmäßig verschlüsselt an das Forschungsteam der RWTH Aachen. So entsteht nach und nach ein gemeinsamer „Schwarm“ an Messungen aus dem ganzen Stadtgebiet. Die Stadt Aachen kümmert sich um die Wartung der Lastenrädern und die Firma Füllner & Partner sowie Industrieelektronik Brandenburg IEB übernehmen Aufbau und Pflege der Messtechnik. Bei den Routen-Empfehlungen hilft uns die Firma VMZ aus Berlin mit einer eigenen App kühlere und gesündere Strecken zu finden. Bürger*innen müssen nichts weiter tun, als ihre Lasten von A nach B und wieder zurück zu transportieren – und werden dabei ganz nebenbei zu Mitforschenden.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse werden als hochaufgelöste Karte der Luftqualität und der Temperatur für die Stadt Aachen aufbereitet. Diese Karten werden über eine Online-Plattform (www.SchwarmMessRad.de) öffentlich zugänglich gemacht und ebenfalls auf dem Mobilitätsdashboard der Stadt Aachen (https://verkehr.aachen.de/) verlinkt, in dem Mobilitätsdaten visualisiert werden. Außerdem fließen die Messdaten in die Mobilithek ein, einer bundesweiten Datenplattform für Mobilitäts‑ und Umweltdaten (https://mobilithek.info/). So können auch Fachleute aus Verwaltung, Planung und Forschung mit den Daten weiterarbeiten. Perspektivisch soll eine App an sehr heißen Tagen Fahrrad-Routen empfehlen, die möglichst durch kühlere Straßen und Parks führen. Damit können Lastenrad-Nutzende ihre Wege so planen, dass sie weniger Hitzebelastung ausgesetzt sind.
Wozu trägt die Forschung bei?
Hitze und Luftverschmutzung treffen besonders verletzliche Gruppen wie ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen oder Personen, die im Freien arbeiten oder viel mit dem Rad unterwegs sind. Für sie ist ein gutes Stadtklima lebenswichtig. Aber auch für alle anderen Bewohner*innen sowie für Besucher*innen der Stadt entscheidet die Luftqualität und das Mikroklima über Lebensqualität, Gesundheit und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Bisher messen viele Städte nur an wenigen festen Punkten oder mit recht grober räumlicher Auflösung. Satellitenbilder stehen nur selten zur Verfügung und funktionieren bei Bewölkung schlecht. Dadurch bleiben kleine Wärmeinseln und stark belastete Straßen oft unentdeckt. SchwarmMessRad liefert hier eine neue Datenbasis: flächendeckend, fein aufgelöst und direkt aus dem Alltag der Bürger*innen. Diese Informationen können Stadt- und Verkehrsplaner*innen sowie Klimaanpassungs-Expert*innen nutzen, um Maßnahmen gezielt dort umzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden – zum Beispiel mehr gezielten Schatten, Grünflächen, Trinkbrunnen oder kühlere Radwege. Gleichzeitig möchten wir den Mehrwert von kostenlosen Lastenrädern für Kommunen erhöhen: Sie dienen nicht nur der nachhaltigen Mobilität und ersetzen immer eine Autofahrt, sondern helfen auch, Daten zu sammeln, Bürger*innen vor Hitzeperioden zu warnen und die Stadtplanung zu optimieren.
Was sind die (Zwischen-)Ergebnisse des Projekts?
Das Projekt befindet sich derzeit im Aufbau. Erste Auswertungen und Karten zur Luftqualität und Temperatur in Aachen werden wir hier veröffentlichen, sobald sie vorliegen.