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mit:forschen!

Die Plattform für Citizen-Science-Projekte aus Deutschland: Mitforschen, präsentieren, informieren!

„Für alle natürlich! Das ist unser Anspruch.”

Foto: TheAndreasBarta/Pixabay

„Wir wollen vernetzen, wir wollen beteiligen, und wir wollen, dass die Leute gestalten” – das sind die Hauptaufgaben der Online-Plattform EU-Citizen.Science, die ab heute online ist. Wir haben mit Katherin Wagenknecht, der Projektkoordinatorin am Museum für Naturkunde Berlin, über die neue zentrale Plattform für Citizen Science in Europa gesprochen.



Worum geht es bei der neuen Plattform EU-Citizen.Science und welche Inhalte werden dort präsentiert?



Wir wollen einen digitalen Ort schaffen, an dem eine europaweite Diskussion über die Frage stattfinden kann: Wie kann Citizen Science funktionieren? Dafür bieten wir im Moment zwei große Inhaltsgruppen an: Ressourcen wie Guidelines, Best-Practise-Beispiele und Handreichungen zu verschiedenen Themen sowie konkrete Citizen-Science-Projekte. Unser Ziel ist es, damit alle unsere Stakeholder anzusprechen. Dazu gehören unter anderem Institutionen aus Wissenschaft und Presse, aber auch Förderorganisationen, politische Akteure und NGOs. Wir wollen diejenigen informieren, für die Citizen Science etwas Neues ist und die sich fragen: Was ist Citizen Science und wie kann ich das Konzept in meinem Projekt implementieren? Was bringt mir das – oder eben auch nicht? Die Inhalte richten sich aber auch an die Erfahrenen. Jene, die vielleicht speziell nach Informationen zu Förderungen suchen oder wissen wollen, mit welchen Argumenten sie bestimmte politische Entscheidungsträger*innen überzeugen können. Für alle Gruppen wird es verschiedene Ressourcen geben, die wir zusammen mit der Community sammeln möchten. Beispielsweise wird es Ressourcen zum Thema Projektmanagement geben, zum Thema Datenmanagement, zum Thema Public Engagement oder zum Thema Evaluierung. 

Neben den Inhalten wollen wir aber auch soziale Interaktionen in den Vordergrund stellen. Dafür haben wir ein Diskussionsforum integriert. Dort kann sich die Community über die Bewertung und das Ranking von Ressourcen austauschen. Sieht man etwa eine Guideline mit nur einem Stern, kann man sich im Forum informieren, wie dieses Ranking zustande gekommen ist, sich austauschen und selbst eine Meinung bilden. Die Prinzipien, die unser Arbeiten im Projekt am treffendsten beschreiben und damit zugleich die Funktionsweise der Plattform benennen sind Community-driven und Transparenz: Es gilt von der Community für die Community unter besonderer Berücksichtigung transparenter Abläufe, Entscheidungen und Prozesse.



Woher kommen die Inhalte und wie werden sie weiterentwickelt?



Wir bieten zunächst ein Starter-Set an Ressourcen und Projekten in unterschiedlichen Sprachen an. Ausgewählt und erstellt wurden die Inhalte von unseren insgesamt 21 Partnerorganisationen aus 15 europäischen Ländern. Grundsätzlich ist die Idee aber,  dass die Inhalte aus der Community kommen. Dafür nutzen wir ein sehr übersichtliches Hochladesystem. Dieser Prozess wird von uns moderiert, so dass man sich sicher sein kann, dass unsere Qualitätskriterien erfüllt sind. Bei der Entscheidung, welche Inhalte wir anbieten, beziehen wir uns immer auf zwei Referenzen: Auf die 10 Principles of Citizen Science von ECSA sowie den Characteristics of Citizen Science, die als gemeinsame Anstrengung von ECSA und EU-Citizen.Science entwickelt wurden. Dieser Qualitätsprozess und die konkreten Kriterien zu erarbeiten, war fester Bestandteil des Projekts und wurde sehr aufwendig betrieben.




Wichtig ist für uns auch der Aspekt Interoperabilität: Wir nutzen ein Metadatensystem, welches abgestimmt ist mit PPSR Core Metadaten Standard, der auch von anderen Plattformen und Webseiten benutzt wird. Ein ebenso wichtiges Thema ist natürlich die Sprachbarriere. Die Ressourcen werden in den jeweiligen Sprachen hochgeladen. Die Metadaten sind natürlich in Englisch bereitgestellt. In der zweiten Veröffentlichungsphase der Plattform, die im August stattfinden wird, werden wir ein Übersetzungstool vorstellen, welches auch nur mithilfe der Community geleistet werden kann – ihr könnt euch dann für eine Ressource anmelden, die ihr gerne übersetzen möchtet!



Für wen ist die Plattform besonders interessant?



Für alle natürlich! Das ist unser Anspruch. Die Plattform ist interessant für Menschen, die ein Projekt starten und wissen wollen, woher man Förderungen bekommt. Sie ist interessant für Menschen, die politische Akteure engagieren wollen. Bei ersten Tests hat sich gezeigt, dass den Nutzer*innen besonders die Verknüpfungs- und Interaktionstools wichtig waren. Das bedeutet: Ich kann mir ein Profil anlegen und Ressourcen in meiner Bibliothek sammeln. Ich kann anderen Projekten folgen, um immer über aktuelle Entwicklungen informiert zu werden. So lassen sich möglicherweise auch zukünftige Kooperationspartner finden. Nehmen wir an, ich interessiere mich für den Bereich Plastikmüll, fange aber an größer zu denken und will das nächste Projekt europaweit aufziehen. Auf unserer Plattform finde ich sofort fünf Projekte in ganz Europa, kann die Ansprechpartner direkt kontaktieren und bekomme alle wichtigen Informationen zu Förderungen geliefert. So funktioniert das im besten Fall.



Warum ist es wichtig, Citizen Science auf europäischer Ebene zu betrachten und die Leute dort zu vernetzen?



Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind einige Länder in Europa, was Citizen Science angeht, weiter als andere. Uns geht es jetzt darum, ganz verschiedene Partner zusammenzubringen und den Austausch zwischen den unterschiedlichen nationalen Initiativen zu fördern: Also zum Beispiel unsere litauischen Partner mit den Kolleginnen aus Italien oder Österreich in Kontakt zu bringen. So konnten unsere litauischen Partner mit dem Rückenwind des Projekts bereits erfolgreich Projektförderung für ein Citizen-Science-Projekt einwerben. 



Es gibt viele nationale und fachdisziplinäre Netzwerke, die innerhalb ihres Adressatenkreises tolle Ressourcen produzieren und Guidelines erstellen und einfach eine Menge großartiges Wissen erschaffen, die jedoch eben unsichtbar bleiben für Außenstehende. Unsere Plattform hat das Potential dies alles zu bündeln. Darüber hinaus lassen sich nachhaltige und langfristige Netzwerke nur sehr schwer aufbauen, wenn das Projekt eine begrenzte Laufzeit hat. Wir sind natürlich auch in der Projektlogik gefangen, haben aber das Glück zu wissen, dass die ECSA nach der Projektlaufzeit die Plattform übernehmen wird.



Zum Schluss: Was empfiehlst du jetzt allen, deren Interesse geweckt wurde?



Die Plattform lebt natürlich von ihrem Zulauf. Das heißt ab heute: Meldet euch an! Legt euch ein Profil zu und vernetzt euch mit anderen Leuten. Schreibt uns, was funktioniert, was nicht funktioniert, was ihr euch wünscht und was ihr toll findet. Die Leute sollen damit arbeiten, sie sollen damit spielen: Das ist eure Plattform, gestaltet sie. Gerade jetzt, mitten in der Corona-Krise, ist dies auch eine gute Möglichkeit sich von zuhause aus zu beschäftigen. Wir werden versuchen Projekte zu zeigen, bei denen man auch bequem vom Rechner aus mitforschen kann. Aber der wichtigste Punkt ist: Die Plattform ist für die Community und bietet noch viel Raum zum Mitgestalten.

 

Yannick Brenz

Der Biologe ist seit Februar 2019 Volontär bei Wissenschaft im Dialog. Dort unterstützt er unter anderem das Projekt Bürger schaffen Wissen.