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Nachgeforscht bei Denise Wenger vom Schweinswalmonitoring

Kann in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum feiern: Die Biologin Denise Wenger arbeitet an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und erforscht mit Unterstützung von Citizen Scientists seit 2007, wo und warum Schweinswale im Frühjahr in Weser und Elbe auftauchen. 

Wo sind Sie zum ersten Mal mit Citizen Science in Berührung gekommen und was hat Sie bewegt, dabei zu bleiben?

2007 berichteten mir einige Segler und Kite-Surfer von Begegnungen mit Schweinswalen im Weser-Ästuar bei Bremerhaven und Nordenham. Nicht so ungewöhnlich, aber ich war neugierig und wollte der Sache auf den Grund gehen und rief über Zeitungen und Radio auf, dass mir bitte Schweinswalsichtungen in der Weser oder anderen an die Nordsee angrenzenden Flüssen gemeldet werden – und schwubs, siehe da: ein zunächst überraschendes Ergebnis: Die Wale wurden bis zum Wehr in Bremen gesichtet.

Das weckte meinen Forscherdrang und ich habe in der historischen Literatur recherchiert und jährlich zu Sichtungsmeldungen aufgerufen und die Beteiligung der Bürger wuchs von Jahr zu Jahr. Als die kleinen Tümmler schließlich im Hamburger Hafen gesichtet wurden und dies durch meine Online-Karten und Pressemeldungen publik wurde, war die Sensation perfekt. Die starke Beteiligung der Bürger und eine stetige einheitliche Datenerfassung mit ergänzenden eigenen Recherchen, die die Beobachtungen interpretierbar machten, ermöglichte eine  wissenschaftliche Auswertung.

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt? Und warum wollen Sie Bürgerbeteiligung?

Ja, wie gesagt, die Idee kam zu mir und ich entwickelte sie weiter, da die Schweinswal-Sichtungen in den Flüssen so auffällig waren. Ich habe nach der ersten Datenauswertung bereits gesehen, dass ein eindeutiges räumliches-zeitliches Muster erkennbar war und ist. Nur von März bis Mai gab es Sichtungsmeldungen aus den Flüssen, es konnte also kein an den Menschen bzw. die Segler gebundenes Muster sein. Es war wie ein Ping-Pong-Spiel, denn die Walsichtungen und Schilderungen, die ich dann zusammenfasste und in Berichten an die Medien weitergab, veranlassten wieder mehr Menschen mitzumachen. Traumhaft! 

Was dem Erfolg auf die Sprünge half, denke ich, war die Öffentlichkeitsarbeit und dass ich jede Sichtung ernst genommen habe, die Daten systematisch erfasst und damit wissenschaftlich auswertbar gemacht habe und vor allem zeitnah den Bürgern und Menschen wieder auf einer Internetplattform zur Kenntnis, so konnte jeder gleich sehen, dass seine Meldung auch eingetragen wurde und wichtig war. 

Aber ich glaube, das Wichtigste bei dem Erfolg des Sichtungsprogramms ist die Begeisterung der Menschen für die Wale, es sind die Wale selbst, die es so erfolgreich gemacht haben! Die Schweinswale sind etwas ganz Besonderes, mit ihrem Aussehen, ihrem Verhalten, ihrer Intelligenz, ihrem jedes Jahr zahlreicheren Erscheinen und vor allem der unmittelbaren Nähe der Erlebbarkeit, vor allem im Hamburger Hafen und in der Weser bei Lemwerder.

Worum geht es in Ihrem Projekt?

Es geht um das Vorkommen, die Habitatnutzung und Gefährdung von Schweinswalen in den Flüssen Weser und Elbe, die im Frühjahr vor allem den Stintschwärmen zu ihren Laichplatzen folgen und so bis in Bremen schwimmen und vor allem im Hamburger Hafen in einem völlig künstlichen und gefährlichen Terrain bei der Jagd auf die kleinen silbernen Fische beobachtet werden können.

Womit ringen Sie in Ihrem Arbeitsalltag am meisten?

Dass ich so viel alleine machen muss, dass keine Mittel vorhanden sind und die Datenflut, die Auswertung und Korrespondenz so viel geworden ist, dass ich eigentlich rund um die Uhr vor dem Computer sitze. Aber man wird entschädigt, wenn es dann ins Freiland geht und die Wale hautnah erlebt, das ist meine liebste und schönste Zeit. So findet man auch heraus, wie die Zufalls-Sichtungsmeldungen einzuordnen sind und mehr über das Verhalten der Wale und die Gefährdungen, wie in unserem Falle schnelle Motorboote im engen und vielbefahrenen Flusslauf und die Betriebsamkeit des Hamburger Hafengeburtstag als Todesursache.

Mal ehrlich: Gab es auch Fehlversuche oder Enttäuschungen? Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Nein, es gab zum Glück nichts davon. Die Unterstützung durch die Bürger, aber auch viele Behörden ist vorbildlich, so wünscht man sich das, eigentlich konnten alle begeistert werden, für die Wale, das Citizen Science-Projekt und ich bin dafür sehr dankbar, denn letztendlich geht es ja darum, die Wale den Menschen näher zu bringen, sie zu schützen und konkrete Schutzmaßnahmen für die Kleinen Tümmler zu planen und durchzusetzen.

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will“, weiß Galileo Galilei. Und darüber hinaus? – Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, um bei dem Projekt mitzumachen?

Gerne draußen sein und Beobachten – als Spaziergänger entlang der Flussläufe, schiffstauglich als Fährgast oder Segler. Und manchmal muss man ein bisschen wetterfest sein, da die Wale ja nur von März bis Mai in den Flüssen sind, und da kann es manchmal noch empfindlich kalt sein.  

Ihr schönster Citizen Scientist-Moment – wie war der? Was war der größte Erfolg der gemeinsamen Forschung?

Der größte Erfolg war die Anerkennung des regelmäßigen Vorkommens der Wale in den Flüssen und dass bereits erste Schutzmaßnahmen eingeleitet werden konnten, wie in der Weser ihre Beachtung bei Gutachten oder jetzt die hoffentlich erfolgende Auflistung als Schutzgut und Erhaltungsziel in den Standardbögen im Naturschutz. Dass die kleinen Wale so viel Aufmerksamkeit bekommen haben und dass viele Fährkapitäne in Hamburg per Ansage auf sie hinweisen und die Motorbootfahrer aufpasssen. Am schönsten sind immer die Momente im Freiland, wenn man die Wale den Leuten direkt vor Ort zeigen kann und auch die begeisterten Anrufe, die ich erhalte. Zudem ein Erfolg ist, dass ich die Untersuchung der toten Wale mithilfe der Melder und Medien durchsetzen konnte.

Aber eigentlich möchte ich an dieser Stelle den Platz für einen Wunsch nutzen: Der letzte Hamburger Hafengeburtstag hat leider mehr als 30 Walen das Leben gekostet, sie waren eingekesselt, wurden überfahren, es war kein Platz für ihr regelmäßiges Hin- und Herschwimmen. Ich plädiere dafür, den Hafengeburtstag um drei Wochen zu verschieben oder über eine strenge Befahrensregelung während der drei Tage einen Korridor zu bilden bzw. offen zu lassen, damit sie entlang Övelgönne nach Blankenese schwimmen können. Das durchzusetzen ist dieses Jahr mein Ziel und wichtigste Aufgabe.

Wo kann man Ergebnisse Ihres Projektes sehen?

Es gibt ausführliche Informationen und interaktive Online-Sichtungskarten bei Schweinswale e.V. unterwww.schweinswale.de oder www.walschutz.org.

Wiebke Brink

Wiebke Brink ist Projektleiterin von mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen. Sie setzt sich seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Projekten und Kontexten mit den Themen Partizipation und Kommunikation auseinander.