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Eine verborgene genetische Grenze in Ostholstein

Untersuchung des lokalen Ausmaßes der europäischen Hausmaus-Hybridzone in Ostholstein durch Forschende der Universität Hamburg. Gesucht werden Spenden toter Hausmäuse aus der Region. Grafik: Dr. Jamie Winternitz, Mus m. domesticus: ©Tony Rebelo; Mus m. musculus: ©Zdeněk Hromádko
Durch Ostholstein könnte eine schmale genetische Grenze verlaufen, an der sich zwei uralte Hausmauslinien treffen und vermischen. Helfen Sie mit, diese Grenze sichtbar zu machen und zu verstehen, wie Gene, besonders Immungene, weitergegeben werden. Jede Maus zählt.

Themen

Projektzeitraum ab

Dezember 2025

Projektende

Januar 2030

Kontakt

Dr. Jamie Winternitz

E-Mail senden

Institution

Hamburg Universität

Mit dieser Übersicht kannst du Hausmäuse von anderen kleinen Nagern unterscheiden.

Häufige Fragen

Worum geht es in diesem Projekt?

Forschende der Universität Hamburg leiten ein Citizen-Science-Projekt, das eine verborgene natürliche Grenze in Ostholstein sichtbar machen soll. Diese Grenze gehört zu einer schmalen Zone, in der zwei eng verwandte Hausmaus-Typen, die sich vor Hunderttausenden von Jahren voneinander getrennt haben, heute wieder aufeinandertreffen und sich vermischen. Diese Mäuse breiteten sich einst auf unterschiedlichen Wegen in Europa aus. Dort, wo sie wieder zusammenkommen, entsteht eine Mischungszone, die sich vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee erstreckt. Wo genau sie in Norddeutschland verläuft, ist bisher jedoch unbekannt. Ziel des Projekts ist es, mit modernen genetischen Methoden zu kartieren, wo diese Mischungszone vor Ort liegt. Anhand der DNA der Mäuse untersuchen die Forschenden, wie Gene zwischen den Populationen weitergegeben werden. Eine zentrale Frage ist, ob Gene, die mit Krankheitsabwehr zu tun haben, diese Grenze leichter überschreiten als andere Gene und warum das so ist. Ähnliche Prozesse spielten auch in der menschlichen Geschichte eine Rolle, denn moderne Menschen tragen bis heute Gene des Immunsystems, die von Neandertalern stammen.

Wie können Bürger*innen mitforschen?

Bürgerinnen und Bürger können sich auf verschiedene Weise beteiligen und sind in wichtige Schritte des Forschungsprozesses eingebunden. Teilnehmende können Hausmaus-Sichtungen melden, tote Mäuse spenden oder dem Forschungsteam erlauben, tierschutzgerechte Schlagfallen auf ihrem Grundstück aufzustellen. Vor dem Aufstellen von Fallen oder dem Sammeln von Proben sollten Sichtungen und Funde bestätigt werden, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um Hausmäuse und nicht um andere heimische Nagetierarten handelt. Dabei ist es sehr hilfreich, ein Foto mit den Forschenden zu teilen. Zur Artbestimmung kann auch die kostenlose Smartphone-App „Seek“ von iNaturalist genutzt werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Beiträge können gemeldet werden, indem das Forschungsteam über die angegebene E-Mail-Adresse kontaktiert oder das Formular auf der Projektwebsite ausgefüllt wird. Die weitere Abstimmung erfolgt anschließend direkt mit den Forschenden per Telefon oder Textnachricht. Nach der Abstimmung stellt das Forschungsteam die Fallen auf und übernimmt die Probenverarbeitung. Werden Mäuse eigenständig mit selbst bereitgestellten Fallen gefangen, sollten sie ohne direkten Kontakt eingesammelt, in kleine Plastikbeutel gelegt, mit Datum und Postleitzahl beschriftet und bis zur Abholung eingefroren gelagert werden. Die Teilnahme steht allen offen, insbesondere Landwirtinnen und Landwirten sowie Stallbesitzerinnen und Stallbesitzern.

Was passiert mit den Ergebnissen?

Alle bestätigten Sichtungen und gespendeten Proben fließen direkt in die Forschung ein. Die genetischen Daten der gespendeten Mäuse werden genutzt, um den lokalen Verlauf der Hausmaus-Mischungszone zu kartieren und zu untersuchen, wie verschiedene Gene diese Grenze überschreiten. Jeder Beitrag erhöht die Genauigkeit der Karte und stärkt die Datengrundlage. Teilnehmende können den Projektfortschritt über Updates auf der Website verfolgen. Eine interaktive Karte zeigt die ungefähren Fundorte sowie den genetischen Typ der untersuchten Mäuse. Zusätzlich erhalten die Beteiligten per E-Mail Zusammenfassungen der Ergebnisse und Informationen zu ihren Spenden. So bleibt transparent, wie die eigene Teilnahme zur Forschung beiträgt und unser Verständnis genetischer Prozesse in natürlichen Populationen verbessert.

Wozu trägt die Forschung bei?

Dieses Projekt trägt zur Forschung in der Evolutionsbiologie, Populationsgenetik und Krankheitsökologie bei, indem es eine zentrale Frage der Evolution untersucht: Warum Gene zwischen Populationen weitergegeben werden, wenn diese nach langer Trennung wieder aufeinandertreffen. Dieses Wissen hilft zu verstehen, wie sich Populationen an Krankheitserreger und veränderte Umweltbedingungen anpassen. Die Ergebnisse sind auch über Hausmäuse hinaus relevant. Ähnliche genetische Austauschprozesse fanden in der menschlichen Evolution statt, als sich moderne Menschen mit Neandertalern und anderen frühen Menschengruppen vermischten. Einige dieser geerbten Gene beeinflussen unser Immunsystem bis heute. Darüber hinaus stärkt das Projekt die Verbindung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, indem Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Forschung einbezogen und das Bewusstsein für Evolution und Biodiversität im Alltag gefördert werden.