No Kitchen is an Island
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Das Projekt ist zwar in das Verbundprojekt DINER eingebettet, stellt jedoch eine eigenständige Forschungsarbeit dar und ist Teil der Promotion von Alisa Goikhman mit dem Titel „Navigieren in fremden Foodscapes: Designforschung zur nachhaltigen Adaptation fremden Essens“.
Die Forschung untersucht, wie digitale Technologien die Verbreitung kulinarischer Ideen in neue Kontexte und zu neuen Zielgruppen ermöglichen und wie sich dadurch Esspraktiken und Geschmackspräferenzen verändern.
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Alisa Goikhman
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Technische Universität Berlin
Bildung für Nachhaltige Ernährung und Lebensmittelwissenschaft
Digitale Entscheidungshilfe für nachhaltige Ernährung
Häufige Fragen
Worum geht es in diesem Projekt?
Im Citizen-Science-Projekt „No kitchen is an island“, das im Rahmen des Projekts DINER angesiedelt ist, wird erforscht, wie Algorithmen unsere Essgewohnheiten prägen und ob sie so gestaltet werden können, dass sie nachhaltige Ernährung innerhalb planetarer Grenzen unterstützen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Online-Rezepte und Suchalgorithmen heute maßgeblich beeinflussen, was Menschen kochen, essen und als „guten Geschmack“ wahrnehmen. Auf der Plattform nokitchenisanisland.com werden Rezepte aus den beliebtesten Online-Suchergebnissen zu durchschnittlichen Ausgangsrezepten zusammengeführt. Diese dienen als Forschungsobjekte, an denen untersucht wird, wie sich kulinarische Vorlieben durch digitale Empfehlungen, ökologische Anforderungen und algorithmische Logiken verändern. Die übergeordnete Forschungsfrage lautet: Wie kann eine Mensch-Maschine-Kollaboration im Alltag so gestaltet werden, dass sie nachhaltige Ernährungsentscheidungen unterstützt?
Wie können Bürger*innen mitforschen?
Bürger*innen beteiligen sich aktiv über die Online-Plattform nokitchenisanisland.com. Sie können Rezepte nachkochen, bewerten, kommentieren und Vorschläge für Veränderungen machen. Diese Rückmeldungen fließen direkt in den Forschungsprozess ein. Ergänzt werden sie durch KI-generierte Kommentare, die auf aktuellen Umwelt- und Klimadaten basieren. Aus der Kombination entstehen neue Rezeptversionen, die dokumentieren, wie sich Aushandlungen zwischen menschlichen Vorlieben, algorithmischen Vorschlägen und mehr-als-menschlichen Anforderungen entwickeln. Methodisch verbindet das Projekt digitale Ethnografie, partizipative Designforschung und experimentelle Datenauswertung. Bürger*innen wirken als Mitforschende, indem sie Erfahrungen teilen, Entscheidungen reflektieren und Veränderungen nachvollziehbar machen. Voraussetzungen sind ein Internetzugang und Interesse am Kochen; spezielles Vorwissen ist nicht nötig. Die Teilnahme ist zeitlich flexibel. Zur Unterstützung stehen erklärende Texte auf der Website sowie eine klare Dokumentation der einzelnen Rezeptversionen zur Verfügung. Die Zusammenarbeit erfolgt transparent über die Plattform, auf der Beiträge von Bürger*innen und Forschenden gleichwertig sichtbar sind.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Die Ergebnisse des Citizen-Science-Projekts sind fortlaufend und transparent auf der Website nokitchenisanisland.com einsehbar. Dort können Teilnehmende beobachten, wie sich Rezepte von ihren durchschnittlichen Ausgangsversionen schrittweise zu neuen, hybriden Varianten entwickeln. Die Beiträge der Bürger*innen werden über die Plattform erfasst und fließen sichtbar in diesen Entwicklungsprozess ein. Der Forschungsprozess ist öffentlich dokumentiert: Frühere und aktuelle Rezeptversionen bleiben einsehbar, ebenso die Veränderungen, die aus der Kombination menschlicher Rückmeldungen und KI-basierter, umweltbezogener Hinweise entstehen. Auf diese Weise erhalten Teilnehmende direktes Feedback, indem sie nachvollziehen können, wie ihre Beiträge in neue Rezeptversionen einfließen. Die gewonnenen Ergebnisse werden systematisch ausgewertet und in die weitere Entwicklung der digitalen Entscheidungshilfe DINER integriert. Sie dienen als empirische Grundlage für die Gestaltung nachhaltiger Empfehlungssysteme und für die Erforschung von Mensch-Algorithmus-Interaktionen im Alltag.
Wozu trägt die Forschung bei?
Das Projekt ist im Forschungsfeld nachhaltige Ernährung, Transformationsforschung und Mensch-Algorithmus-Interaktion verortet. Es stellt den aktuellen Stand der Interventionsforschung infrage, deren gängiger Modus Operandi häufig individuelle Konsumentscheidungen in den Mittelpunkt stellt. Viele bestehende Ansätze gehen implizit davon aus, dass Menschen entweder nicht nachhaltig handeln, weil ihnen relevante Informationen fehlen, oder versuchen, ihr Verhalten innerhalb des Paradigmas der Verhaltensökonomie durch Nudging-Methoden zu beeinflussen – beides greift jedoch zu kurz. Stattdessen untersucht das Projekt das Potenzial von Automatisierung und digitalen Entscheidungshilfen: Viele Menschen vertrauen algorithmischen Systemen bereits und delegieren Alltagsentscheidungen (z.B. über Rezepte) an Plattformen. Gleichzeitig priorisieren heutige Algorithmen häufig Viralität, Konsum und kurzfristige Präferenzen – obwohl ihnen Daten zu ökologischen Anforderungen und planetaren Grenzen prinzipiell zugänglich wären. Erwartet werden Erkenntnisse darüber, wie Empfehlungssysteme gestaltet sein müssen, damit sie nachhaltige Optionen alltagsnah fördern, ohne zu bevormunden. Der gesellschaftliche Nutzen liegt in neuen, wirksamen Ansätzen für nachhaltige Ernährung in Privathaushalten und in der Weiterentwicklung fairer, nachhaltigkeitsorientierter digitaler Ernährungsumgebungen.
Was sind die (Zwischen-)Ergebnisse des Projekts?
Das Projekt befindet sich in einer frühen Phase. Bisherige Zwischenergebnisse beziehen sich vor allem auf ein besseres Verständnis der Rolle von Rezepten im alltäglichen kulinarischen Handeln einer breiteren Öffentlichkeit. Dabei wurde untersucht, bei welchen Gelegenheiten und mit welchen Motivationen Menschen in ihrer Kochpraxis auf digitale Ressourcen zurückgreifen.